Dein Vorsprung von Anfang an.

Innovation, Gründergeist und Know How bilden die Grundlage für unser erfolgreiches Startup Ökosystem in Deutschland. Diese lebendige und eng verknüpfte Startup-Kultur lockt nicht nur Investoren sondern auch etablierte Unternehmen, sowie die Wirtschaft an.

EY Startup hat es sich zur Aufgabe gemacht, die verschiedenen Parteien innerhalb des Ökosystems für einen idealen Austausch zusammenzubringen und zu vernetzen. Dabei unterstützen wir euer Startup in allen relevanten strategischen, steuerlichen, betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Fragen. Auf dieser Seite findet Ihr Know-how, Events, Aktivitäten und EY Ansprechpartner in eurer Region.

Aktuelles

EY Startup-Barometer Deutschland – Januar 2024

Deutsche Startups sammeln 2023 nur 6 Milliarden Euro ein, ein Rückgang von 39 Prozent gegenüber 2022 und 65 Prozent im Vergleich zu 2021. Die Finanzierungsrunden sinken um 15 Prozent. Trotzdem vervierfachen sich Investitionen in KI-Startups.

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EY Startup

Early stage

Euer Unternehmensplan gewinnt an Dynamik? Wir unterstützen euch beim Reporting, bei der Identifikation von Fördermitteln für eure Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit und F&E, der Kontaktaufnahme mit Investoren und vielen anderen Themen. Dabei geht es um wichtige Weichenstellungen zur Finanzierung (privat und öffentlich), Beteiligung, Planung und Bewertung des Unternehmens.

Formate:

Scaleup

Die Umsätze steigen und euer Unternehmen wächst. Wir sind an eurer Seite, wenn es darum geht, die innovative Weiterentwicklung eurer Produkte und Services über öffentlich Fördergelder zu finanzieren, Venture Capital zu beschaffen und das Wachstum auf gesunde Beine zu stellen. Unsere Fachleute stehen euch mit Rat und Tat zur Seite, damit euer Wachstum in nachhaltigen Geschäftserfolg mündet.

Formate:

  • CEO Roundtable
  • Investoren Dinner
  • Funding Matinée (Auswahlprozess)

Grownup

Euer Grownup wächst und etabliert sich als Marke. Ihr könnt die ersten Markterfolge verbuchen. Wir binden euch in Innovationsökosysteme ein und geben euch Hilfestellung bei weiteren Finanzierungsrunden, bis hin zum partiellen Exit oder IPO. Auf dem Weg zu neuen Zielen müsst Ihr die richtigen Antworten auf größere Herausforderungen finden.

Formate:

  • IPO Readiness Assessment
  • Förderberatung

Investoren

Du suchst nach innovativen Lösungen, smarte Investments und einem tollen Startup Team? Wir veranstalten Networking und Matchmaking Events, unterstützen bei Investment Monitoring & Value Creation und führen für dich Target Screenings durch.

Corporates

Die Verbindung zu etablierten Unternehmen liegt uns besonders am Herzen. Wir bringen Startups mit dem deutschen Mittelstand zusammen und sprechen über Kooperationen, Integration sowie Trendanalysen (EY Startup Barometer). Findet mit unserer Hilfe den perfekten Partner für eure innovativen Kooperationen.

Andere Institutionen

Wir unterstützen auch regional und direkt vor Ort. Wir helfen unter anderem bei der Identifizierung passender Förderprogramme und der Bewerbung auf Ausschreibungen sowie bei regionalen Aktivitäten.

Events und Workshops

Neuigkeiten und Veröffentlichungen

25.01.2024
Deutsche Startups sammeln 2023 nur 6 Milliarden Euro ein, ein Rückgang von 39 Prozent gegenüber 2022 und 65 Prozent im Vergleich zu 2021.
04.08.2023
Deutlicher Dämpfer für die deutsche Startup-Szene: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 halbierte sich das Gesamtvolumen der Investitionen in den ersten sechs Monaten dieses…
12.01.2023
Trotz Marktunsicherheiten und 43 Prozent weniger Risikokapital-Investments im Jahr 2022 verzeichnete die deutsche Startup-Branche ihr zweitstärkstes Ganzjahresergebnis. Zudem…
08.09.2022
Die ersten Wege nach dem Tod eines geliebten Menschen führen zum Bestatter und zur Trauerfeier. Bislang oblag das „Geschäft mit dem Tod“ im Wesentlichen auch eben jenen: den…

Weitere Themen

Ansprechpartner

Veronika Laperdina

Veronika Laperdina

International Tax and Transaction Services - Transfer Pricing

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Simon Rosa

Simon Rosa

Financial Accounting Advisory Services

Telefon:

Luisa Kiel

Luisa Kiel

Financial Accounting Advisory Services

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Rebecca Gaab

Rebecca Gaab

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Alexander Obenaus

Alexander Obenaus

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Olivia Weindorf

Olivia Weindorf

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Manuel Reichelt

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Telefon: +49 160 93922087
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Ivana Jovanic

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Pirmin Hamm

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Dr. Thomas Prüver

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Michael Bätz

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Nina Reinecke

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Dr. Ines Fritz

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Varinia Prüfer

Varinia Prüfer

Business Development

Telefon: +49 30 25471 21522
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Martin Neutzner

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Steuern & ESOP

Telefon: +49 711 9881 17291
Martin.Neutzner@de.ey.com

Telefon:

EY Startup-Barometer Deutschland – Januar 2024

Deutsche Startups sammeln 2023 nur 6 Milliarden Euro ein, ein Rückgang von 39 Prozent gegenüber 2022 und 65 Prozent im Vergleich zu 2021. Die Finanzierungsrunden sinken um 15 Prozent. Trotzdem vervierfachen sich Investitionen in KI-Startups. Berlin bleibt weiterhin der Spitzenreiter in der deutschen Startup-Szene, verliert jedoch Marktanteile. Erfahre mehr in unserem neuen „EY Startup-Barometer“.

Den Link zum direkten Download findest Du hier.

EY Startup-Barometer Deutschland – Juli 2023

Deutlicher Dämpfer für die deutsche Startup-Szene: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 halbierte sich das Gesamtvolumen der Investitionen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 3,1 Mrd. €. Berlin bleibt weiterhin Hotspot des deutschen Startup-Ökosystems und vereint 47% der investierten Risikokapitalsumme in Deutschland auf sich. Zudem erhielten Jungunternehmen mit Nachhaltigkeitsbezug einen Rekordanteil von 30% des investierten Kapitals, wobei jede fünfte Finanzierungsrunde auf ein solches Startup entfiel. Was es damit auf sich hat, kannst du im neuen „EY Startup-Barometer“ lesen.

Den Link zum direkten Download findest Du hier.

EY Startup-Barometer Deutschland – Januar 2023

Trotz Marktunsicherheiten und 43 Prozent weniger Risikokapital-Investments im Jahr 2022 verzeichnete die deutsche Startup-Branche ihr zweitstärkstes Ganzjahresergebnis. Zudem wurde zum zweiten Mal in Folge die Marke von 1000 Deals übertroffen. Berlin bleibt weiterhin an der Spitze. Die Hauptstadt konnte erneut mit Abstand am meisten Risikokapital einsammeln und bleibt damit der stärkste Startup-Standort innerhalb Deutschlands. Was es damit auf sich hat, kannst Du im neuen „EY Startup-Barometer“ lesen.

Hier kannst Du Dir das EY Startup Barometer Deutschland herunterladen.

Das Geschäft mit dem Tod: Startups digitalisieren den Trauerprozess

Die ersten Wege nach dem Tod eines geliebten Menschen führen zum Bestatter und zur Trauerfeier. Bislang oblag das „Geschäft mit dem Tod“ im Wesentlichen auch eben jenen: den Bestattern, den Ausrichtern für Bestattungsfeiern inklusive Floristen und Todesanzeigen. Im Volksmund wird die Bestattung als “der letzte Weg” bezeichnet. Für den Verstorbenen mag das – rein physisch betrachtet – zwar gelten, aber für die Hinterbliebenen beginnt der Weg dort erst.

In 2021 sind in Deutschland nach einer Erhebung des statistischen Bundesamtes 1.016.797 Menschen verstorben.[1] Statistiken zufolge hinterlässt jeder Verstorbene im Schnitt drei bis fünf Trauernde. Zu Beginn noch durch Freunde und Familie begleitet, gehen die meisten Menschen den Weg der Trauer nach einer Weile ganz allein. Das Verständnis des Umfeldes endet, der Trauernde soll “endlich wieder funktionieren”. Dabei ist Trauer ein höchst individueller Prozess, der Unterstützung braucht. Diese findet sich beispielsweise im Rahmen ehrenamtlich organisierter Selbsthilfegruppen, über Angebote des Bundesverbandes Trauerbegleitung oder durch Trauerbegleiter in selbstständiger Praxis. Das Problem dabei: Nur wenige Menschen wissen von diesen Angeboten. Während Restaurants oder Partyservices gern unter Bekannten weiterempfohlen werden, hüllt sich ein düsterer Mantel des Schweigens um alles, was mit dem Tod zusammenhängt.

Einige deutsche Startups haben dieses Problem erkannt und wollen der Branche rund um den Tod ein neues Image verleihen. Und die Gesellschaft scheint bereit dafür: So findet beispielsweise seit 2019 jährlich am 8. August der Memento Tag statt, der unter dem Leitsatz “Der Tod betrifft uns alle” Aufmerksamkeit und Bewusstsein schaffen will. Auch Initiativen wie die Publikumsmessen Seelenfrieden oder Leben &Tod wollen die Themen Vergänglichkeit, Sterben, Tod und Trauer in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion stärker verankern.

 

Startups denken Trauer neu

Seit zwei Jahren zeigt sich insgesamt ein Trend zur Trost-Suche im Netz. Dies könnte durch die Corona-Pandemie begünstigt worden sein, in deren Zusammenhang sich die Menschen voneinander entfernen und statt hautnaher Umarmungen auf digitale Lösungen umsteigen mussten. Unter anderem deshalb, weil viele analoge Vor-Ort-Angebote nicht auf Online umgestellt, sondern abgesagt wurden. Zudem besteht ein allgemeiner Digitalisierungswunsch in der Gesellschaft, der nun eben auch im Bereich Trauer Einzug hält. Insbesondere die Niedrigschwelligkeit des in-Kontakt-kommens treibt diesen Wunsch an. Im August 2022 erzielte das Stichwort „grief“ (Englisch für „Trauer“) 3,8 Milliarden Aufrufe auf der Social Media-Plattform TikTok, die eigens dafür sogar das Kunstwort “GriefTok” einführte. Im November 2021 war es dagegen noch weniger als die Hälfte.  

Grundsätzlich haben sich zwei Segmente innerhalb der Branche entwickelt: Death Tech und Grief Tech.  Unter Death Tech versteht man beispielsweise Online-Bestattungen, digitale Trauerfeiern, Online-Todesanzeigen und den digitalen Nachlass. Grief Tech widmet sich dagegen, wie der Name schon sagt, dem Trauerprozess. Dazu zählen Online-Gedenkseiten für Verstorbene, soziale Netzwerke zum Teilen von Erinnerungen an den Verstorbenen, Online-Trauergruppen, Online-Trauerseminare und Online-Trauerberatungen.

Das Hamburger Startup Emmora hat sich im Segment Death Tech auf Online-Bestattungen spezialisiert. Die Beisetzung selbst findet naturgemäß analog und im Kreis der Angehörigen statt, aber der gesamte Prozess von der Planung bis zur konkreten Gestaltung und Beauftragung der lokalen Dienstleister erfolgt digital. Nutzer der Plattform können dabei nicht nur die Bestattung ihrer Angehörigen organisieren, sondern sogar ihre eigene Bestattung im Vorfeld planen. Auch Ab unter die Erde (After Life GmbH) plant Bestattungen als deutschlandweit tätiges Bestattungsunternehmen online. Dabei haben die Berliner Gründer*innen sich das Ziel gesetzt, alternative Bestattungen und besondere Beisetzungen mit einzigartigen Abschiedsfeiern zu organisieren, die individuell auf die Vorlieben, Hobbies und Leidenschaften des Verstorbenen zugeschnitten sind. Wer zu Lebzeiten ein waschechter Star Wars-Enthusiast war, kann also beispielsweise im Rahmen einer Motto-Feier Abschied nehmen, seine Urne im Vorfeld passend gestalten und eine Bestattung im Weltraum wählen. Mymoria aus Berlin bezeichnet sich selbst als ein modernes (Online-)Bestattungshaus, das den Umgang mit dem Tod verändern will. “Ein offenes Ohr ist wichtig, aber wir wollen mehr: Wir wollen den Tod heraus aus seiner dunklen Ecke, hinein in die Mitte der Gesellschaft holen. Wir wollen alle Fragen beantworten und ohne Scheu über den Tod sprechen”, lautet ein öffentliches Statement des Startups. Über den Tod sprechen will auch das Death Tech Wer du warst aus Köln. Es gilt als Deutschlands größtes Netzwerk für qualifizierte Trauerredner und Trauerrednerinnen. Die gehaltenen Trauerreden werden im Nachgang auf Wunsch sogar als Hörbuch vertont, um eine bleibende Erinnerung zu schaffen.

Im niedersächsischen Tostedt haben Jen und Hendrik Lind das Grief Tech TrostHelden gegründet. Der Kern des Startups ist es, onlinebasiert Trauerfreundschaften zu vermitteln, damit sich Trauernde gegenseitig finden und helfen können. Grundlage hierfür ist ein spezieller Algorithmus, der Trauernde mit einem ähnlichen Schicksalsschlag, einem ähnlichen Umgang mit der Trauer und ähnlichen Lebensumständen zusammenbringt. Dieser Ansatz ist bislang weltweit einzigartig. Hendrik Lind reflektiert im Interview mit EY: „Seit der Nachkriegszeit hat sich in Deutschland sehr wenig in Bezug auf neuartige Hilfen für Trauernde getan. Die unbefriedigten, elementaren Bedürfnisse der Trauernden sind immer noch dieselben und führen zur Vereinsamung – mit gravierenden Folgen für Individuum und Gesellschaft. In sozialen Medien wird nach dem Prinzip one-to-many kommuniziert. Was Trauernde jedoch benötigen, ist eine Kommunikation one-to-one, also jemanden, der die gleiche Trauersprache spricht. Hier fehlt es an digitalen Angeboten und wir wollen diese Lücke schließen.“

Nach dem Tod eines geliebten Menschen stehen Angehörige neben ihrer Trauer auch vor einer Vielzahl an bürokratischen Hürden, die bewältigt werden müssen. Um diese Aufgaben zu erleichtern, wurde in Malente (Schleswig-Holstein) die App „Beistand im Todesfall“ entwickelt. Hilfe beim Verwalten des digitalen Erbes (das heißt: Accounts bei Facebook, PayPal, Amazon, Netflix & Co.) auch ohne Zugangsdaten, eine “Todesfall To-Do-Liste“ als kleiner Wegweiser, Vorlagen für die Kündigung von GEZ, Mietvertrag, Versicherungen und weitere Angebote werden von dem App-Service abgedeckt. Den Nachlass digital regeln möchte das Startup Memoresa aus Leipzig. Die Gründer entwickelten eine digitale Plattform und App, über die User ihre persönlichen Urkunden, Verträge und Unterlagen mit System ablegen und im Todesfall für die Angehörigen übersichtlich abrufbar machen können.

Auch Ninebarc aus Berlin und Beyond After Life Management aus Stuttgart haben einen solchen digitalen Tresor entwickelt, der Vorsorgedokumente sicher aufbewahrt und im Todesfall für Notfallkontakte zugänglich macht. Der Ninebarc-Co-Gründer Cedric A. Horstmann findet: „Die eigene Endlichkeit zu akzeptieren ist essentiell, um richtig vorzusorgen.“ Auf der Ninebarc-Platform werden Nutzer Schritt-für-Schritt bei der individuellen Vorsorgeplanung für den Krisenfall unterstützt. Leitfäden helfen bei der Erstellung von Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, dem Testament und weiteren Unterlagen. Diese Dokumente sowie Zugangsdaten für sämtliche Konten, Social-Media-Profile und das Aktiendepot können bei Ninebarc hinterlegt und verwaltet werden. So sind Angehörige im Notfall handlungsfähig.

Einen Online-Gedenkraum schafft Farvel aus Berlin. In diesem virtuellen 3D-Erinnerungsraum können sich Trauernde in einer speziell entwickelten Online-Zeremonie von einer geliebten Person verabschieden, Geschichten über den Verstorbenen teilen und Erinnerungen austauschen. “Unser Raum schafft die technische Grundlage für Trauerfeier, Beerdigung, Beisetzung, Leichenschmaus, Tröster sowie Kondolenzbekundungen und löst so das Problem der ortsgebundenen Abschiednahme”, erläutert das Startup auf seiner Website.

 

Investoren aufgepasst: Darum lohnt sich das Geschäft mit dem Tod

Der Death Tech-Markt beziffert sich gemäß des US-amerikanischen Global Industry Analyst weltweit auf rund 128,8 Milliarden Euro. Bei derartigen Größenordnungen werden Investoren für gewöhnlich hellhörig. Dennoch halten sich insbesondere VC-Investitionen in diesem Bereich noch stark zurück. Startups, die nicht das Potential haben, binnen kürzester Zeit zu Unicorns aufzublühen, werden von Wagniskapitalgebern eher mit Vorsicht genossen. Da die Digitalisierung von Trauer und Tod noch nicht das öffentliche Image besitzt, das einen derartigen Aufstieg in kürzester Zeit ermöglichen würde, fallen Death Techs und Grief Techs aus dem Radar der VC-Investoren. Dies führt dazu, dass es sich bei diesem Markt um die größte, von Digitalisierung und Innovationen fast noch unberührte Konsumentenindustrie handelt, die derzeit existiert.

Das Startup Emmora hat darum einen Strategiewechsel beschlossen, der ihnen bis Anfang 2022 eine niedrige siebenstellige Investitionssumme eingebracht hat: Statt VCs anzusprechen, konzentrierten sich die Gründerinnen auf Business Angels und Family Offices. Besonders interessant ist, dass sich auffällig viele Marketing- und Branding-Fachleute unter den beteiligten Investoren finden. Emmora vermutet, dass diese eine besondere Herausforderung im Bewerben eines Death Techs gesehen haben. Aus diesem Insight könnten sich Chancen für andere Startups der Branche ergeben.

Im Segment Grief Tech sieht die Zurückhaltung der Wagniskapitalgeber nach Aussage von Hendrik Lind ähnlich aus. Aktuell suchen die TrostHelden einen Investor für einen Markteintritt in die USA, da die Aufgeschlossenheit gegenüber digitalen Innovationen dort, ähnlich wie in den Niederlanden, deutlich höher sei als hierzulande.

 

Ausblick: Die Trauer von Morgen

In fünf Jahren werden Death Tech und Grief Tech nach Einschätzung von Hendrik Lind zusammengefasst sein. Entsprechend könnte die gesamte Bandbreite von der Online-Bestattungsplanung über Kontaktvermittlungen zu Palliativ- und Hospizeinrichtungen bis zur Hilfe für Trauernde in Form von Therapeuten oder Trauerbegleitung durch ein einziges, ganzheitliches Unternehmen abgebildet werden. Auch Shops für Kondolenzgeschenke, Bestattungsbedarf, Grabschmuck und ähnliches werden sich in einem solchen Unternehmen bündeln.

Eine Weiterentwicklung der Branche könnte daraus erwachsen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anhaltende Trauerstörungen in 2022 als Krankheit anerkannt hat. Würden Trauerbewältigungsmaßnahmen eines Tages durch Krankenkassen getragen werden, könnte infolgedessen eine Vielzahl von neuen Versorgungs-Innovationen für Trauernde, auch im digitalen Bereich, entstehen. Derartige Entwicklungen sind gegenwärtig aber noch nicht absehbar.

Fakt ist: Unverarbeitete Trauer kann zu vermehrten Fehltagen am Arbeitsplatz und/oder Folgeerkrankungen wie Depressionen führen. Heilsame Trauerarbeit wird künftig auch am Arbeitsplatz eine immer stärkere Bedeutung erlangen, sodass auf Unternehmen und Mitarbeiter zugeschnittene Angebote vermehrt entstehen könnten. Auch wir bei EY haben erkannt, dass Trauer vor Unternehmenstüren nicht Halt macht und wir als Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht haben. Wir bieten unseren Mitarbeitenden deshalb eine interne Krisen- und Trauerbegleitung an. Andere Unternehmen haben vergleichbare Strukturen vielleicht nicht implementiert – an dieser Stelle könnten sich Startups mit externen Angeboten einklinken.

 

 

 

[1] Sterbefälle – Fallzahlen nach Tagen, Wochen, Monaten, Altersgruppen, Geschlecht und Bundesländern für Deutschland 2016 – 2022 – Statistisches Bundesamt (destatis.de)

EY Startup-Barometer Deutschland – Juli 2022

Trotz der Marktunsicherheiten sind die Investitionen in deutsche Startups weiterhin auf einem hohen Niveau: Der Gesamtwert der Investitionen in deutsche Jungunternehmen sank in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20%. Trotzdem markieren die ersten sechs Monate des Jahres 2022 das zweitbeste erste Halbjahr für die deutsche Startup-Branche.

Hier kannst Du Dir das EY Startup Barometer Deutschland Juli 2022 herunterladen.

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 6: Health and Fitness

Im ersten Teil unserer Artikel-Reihe haben wir einen Überblick über das deutsche FoodTech-Ökosystem gegeben und die sieben größten Industrietrends vorgestellt (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 1: Das deutsche FoodTech-Ökosystem). Teil 2, 3, 4 und 5 wagten einen Deep Dive in die Trend-Segmente Next Generation Nutrition (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 2: Next Generation Nutrition), AgTech & Vertical Farming (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 3: AgTech & Vertical Farming), Food Delivery (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 4: Food Delivery) und Sustainability as Core. Teil 6 legt die Tendenzen der Startups, die in der Health & Fitness Branche tätig sind, offen. 

Die moderne Medizin legt großen Wert auf den gesunden Lifestyle als die Basis für die Vermeidung von Krankheiten und ein längeres Leben. Die Idee des gesunden Lifestyles werden von Ärzte:innen, Wissenschaftler:innen und Menschen, die für ihre Gesundheit und ihre Zukunft sorgen, in verschieden Art und Weise gepredigt.

Startups spielen eine wichtige Rolle bei der Popularisierung des gesunden Lifestyles und wecken das Interesse der Konsumenten dafür. Die Startups, die in dem Segment „Health and Fitness“ tätig sind, arbeiten eng zusammen mit Wissenschaftler:innen und bringen die neuesten Entwicklungen in ihre Projekte ein. Sie sind vielfältig und bieten Lösungen von Bio-Convenience-Food bis hin zu Apps für Patienten mit besonderen medizinischen Bedürfnissen.

Don’t panic – it´s organic!

Das erste, was uns in der Assoziationskette mit „Lebensmittel“, „sustainable“, „gesund“ usw. in den Sinn kommt, ist sicherlich „organic“. Warum stehen Organische-Lebensmittel so sehr im Fokus, vor allem bei Konsumenten, die auf ihre Gesundheit achten? Organische Lebensmittel sind beispielsweise Pflanzen und Gemüse, die ohne den Einsatz von Chemikalien wie Pestiziden hergestellt werden, wobei Pestizide die Hauptursache für Besorgnis sind. Aktuelle Studien zeigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Fälle von Schilddrüsenkrebs und der regelmäßigen Peztizidanwendungen, am Beispiel von Landwirten.[1] Andererseits zeigen einige Studien, wie die organische Ernährung dazu beiträgt das Krebsrisiko zu senken, Entzündungen zu verringern, die Gesundheit grundsätzlich zu verbessern und sogar besondere Gesundheitsprobleme wie Allergien zu verringern und die Fruchtbarkeit zu verbessern.[2] Die Konsumenten in Europa, die sich der Risiken bewusst sind, die mit dem Verzehr von konventionell behandelten Lebensmittel verbunden sein können, neigen dazu, organische Lebensmittel zu kaufen, und sind darüber besorgt.[3]

Obwohl organische Lebensmittel in Europa bereits aktiv hergestellt und konsumiert werden, gibt es noch eine Gelegenheit für Startups im Segment der organischen Lebensmittel eine Nische zu besetzen. Zum Beispiel benutzen Startups bei der Herstellung von organischem Lebensmittel innovative Technologien, um die gesunden Eigenschaften der Lebensmittel zu konservieren.

Zum Bespiel, Yamo, ein Schweizer FoodTech-Startup, startete mit der Frage, warum Babynahrung manchmal älter ist als ihre Konsumenten? [4] Die konventionelle Methode der Konservierung von Babynahrung beinhaltet die Behandlung bei hoher Temperatur, die die Haltbarkeitsfrist der Baby-Ernährung verlängert. Diese Methode tötet nicht nur Bakterien ab, sondern auch Vitamine und Mikroelementen aus der Baby Ernährung. Yamo wendet eine neue Methode an, die High Pressure Pasterisation (HPP) heißt. Die Yamo Snacks werden aus organischen Zutaten ohne kochende Temperatur vorbereitet und dann mit hohem Druck, bis zu 6000 Bar, gedrückt. Der hohe Druck macht die Bakterien, wie Listeria, Escherichia coli und Salmonella unaktiv.[5] Die Baby-Ernährung bleibt hierbei auch ziemlich lang haltbar. Nach der PPT Bearbeitung bleiben Vitamine und echter Geschmack in der Ernährung erhalten.

Das Startup Nuri aus Berlin hat dieselbe Meinung über die ungenügenden Eigenschaften der konventionellen Beikost. Dieses Startup produziert Babybrei, der von Bio-Bauern hergestellten organischen Obst und Gemüse besteht. Anschließend wird das Obst und Gemüse schockfrostet, sodass Vitamine und Ballaststoffen in der Beikost erhalten bleiben.[6] Die Zubereitung der Nuri Babynahrung ist auch sehr praktisch, da man den Brei vor Verzehr lediglich auftauen muss.

Convenience food: not only convenient

Fertiggerichte oder „Convenience food“ sind schon seit mehreren Jahrzehnten ein guter Fang für die Konsumenten, die schnell leben und sich nicht jeden Tag das Kochen und traditionelle Familienmahlzeiten leisten können. Convenience Food umfasst bereits eine große Vielfalt an Produkten, darunter Konserven, Fertigsuppen und verzehrfertige Lunchboxen. Bis etwa 2010 lag das Hauptaugenmerk des Convenience Food lediglich auf der Bequemlichkeit und der Möglichkeit, sie schnell zu verzehren. Mit dem wachsenden Bewusstsein der Gesellschaft für eine gesunde Ernährung wollen Konsumenten eine nahrhafte Qualität von Lebensmitteln nicht zugunsten ihrer Bequemlichkeit aufgeben. Das Startup mindfuel hat Instant-Pudding, Brei und Suppen entwickelt, die sowohl eine schnelle Zubereitung als auch eine Sättigung mit gesunden Zutaten ohne Konservierungsstoffe und Zucker ermöglichen.[7] 

Ein anderes Startup, YFood, stellt Getränke her, die als „Trinkmahlzeit“ bezeichnet werden. Die Getränke von YFood sind reich an essenziellen Nährstoffen, sowie Vitaminen und Mineralstoffe. Jede Flasche des Getränkes enthält ca. 500 kcal, die eine volle Mahlzeit für eine erwachsene Person ersetzen kann.

Sowohl Fertiggerichte als auch Getränke, die von den oben genannten Startups produziert werden, können auch als Multimix-Nahrungskonzept betrachtet werden, das bereits eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der Mangelernährung in den Entwicklungsländern spielt.[8] Dies schließt nicht aus, dass die Startups, die die Multimix-Convenience-Lebensmittel herstellen, einen Beitrag zu den Programmen leisten können, die darauf abzielen, den weltweiten Hunger zu beenden.

Eine weitere schöne Option des Convenience Foods bietet ein Startup aus Köln, Bergtau. Bergtau bietet fertige Becher mit Portionen von Smoothies aus schockgefrorenem Obst und Gemüse an, die über die Gastronomie und Bürokantinen vertrieben werden. Das Startup nimmt Rücksicht auf Kunden mit Allergien und verwendet keine Nüsse, sondern Samen wie Cashew und Mandel, die weniger Allergien auslösen. Um nachhaltig zu bleiben, setzt bergtau auf die Verwendung von regionalem Obst und Gemüse.[9]

New medicine

Startups stellen mit ihren Lösungen einen neuen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit chronischen Krankheiten vor, der die Arbeit der Ärzte und das Leben der Patienten erleichtert. Das Startup Cara Care bietet eine App an, die von Patienten mit Reizdarmsyndrom genutzt werden kann. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Aspekte wie Ernährung und psychische Verfassung einen großen Einfluss auf den Zustand des Patienten.[10] Die App berücksichtigt den multilateralen Ansatz bei der Behandlung der Krankheit und der Zähmung der Symptome. Mit der App können die Patienten ihre Symptome verfolgen, Rezepte nach der Low-FODMAP[11]-Diät erhalten, Empfehlungen zu psychologischen Praktiken, inkl. Hypnose, bekommen und auch über die neuesten Entwicklungen aus Studien über die Krankheit informiert werden. Mit Hilfe dieser App können Patienten den Krankheitsverlauf besser kontrollieren und die Kommunikation mit ihren Ärzten effektiver und informativer gestalten, was den Ärzten:innen hilft, die medizinische Behandlung genauer festzulegen.

Perfood, ein Startup aus Lübeck, wurde am Institut für Ernährungsmedizin der Universität Lübeck, einer der führenden medizinischen Fakultäten Deutschlands, gegründet.[12] Perfood entwickelt verschiedene App-Lösungen zur Ernährungskontrolle für Menschen, die mit dem Glukosestoffwechsel zusammenhängende Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Adipositas, Migräne, PCO-Syndrom[13], Schuppenflechte und weitere Erkrankungen bekämpfen oder verhindern wollen. Für die Entwicklung der App-Lösung mit personalisierter Ernährung wurde die erweiterte Datenbasis mit Informationen zu Ernährung, Aktivitäten, Schlaf und medizinischen Daten analysiert. Die Erprobung der Produkte von Perfood erfolgt mit dem Universitätsklinikum Lübeck und dem Diabeteszentrum Hamburg West. Das entsprechende Startup arbeitet derzeit an vielversprechenden App-Lösungen, die zur Unterstützung von Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen geeignet sind und auf einem stabil-glykämischen Ernährungsansatz basieren. 

Alternatives Protein

Das erste, was man lernt, wenn man anfängt gewissenhaft ins Fitnessstudio zu gehen, ist, dass man für den Muskelaufbau eine ausreichende Menge an Protein mit täglicher Ernährung erhalten muss. Die Ernährung, die mit regelmäßigen Mahlzeiten aufgenommen wird, kann manchmal nicht ausreichend sein und die Sporternährungsindustrie bietet zusätzliches Protein in Form von Pulver, Brei und Riegeln an. Die Proteinquellen können sehr vielfältig sein, zum Beispiel Milch, Eier und Pflanzenprotein. Hier sehen Startups eine Möglichkeit innovative Proteine einzuführen und zu fördern, die aus immer noch recht überraschenden Zutaten wie Insekten bestehen. Ein in Köln ansässiges Startup, isaac nutrition, produziert Sporternährung, bei der die Proteinmischung aus Büffelwurmprotein besteht.[14] Die Idee Insekten zu essen ist sicherlich nicht neu, dies ist in der traditionellen Küche von Südasien, Südamerika und Afrika sehr bekannt. Das Startup Isaac nutrition erklärt den Konsumenten, warum die Einführung von Entomophagie eine großartige Idee ist. Erstens sind Insekten sehr proteinhaltig, so enthält Rindfleisch 21% Protein und im Vergleich haben Insekten 62% Protein. Zweitens benötigt die Insektenzucht 2500-mal weniger Wasser als konventionelle Landwirtschaft, weniger Land sowie weniger Futter. Darüber hinaus sind die durch die Insektenzucht verursachten C02-Emissionen 100-mal geringer als bei Rindlandwirtschaft. Der Nachhaltigkeitsaspekt der Insektenproteinproduktion sieht unglaublich aus. Dies wurde bereits 2013 von der Organisation der Vereinten Nationen anerkannt, die in ihrem Bericht „Essbare Insekten: Zukunftsaussichten für die Lebens- und Futtermittelsicherheit“ positive Ergebnisse des Verzehrs von Insekten, einschließlich ökologischer Aspekte, skizzierten und zur Übernahme der Entomophagie aufriefen.[15]

Persönlicher Ernährungsmentor

Es gibt zahlreiche Kalorienrechner-Apps, die Tausende von Rezepten für verschiedene Zwecke anbieten wie beispielsweise zum Abnehmen oder Muskelaufbau. Das Startup Foodiary bietet beides in Form des Online-Ernährungsmentors an.[16] Kunden erhalten einen Ernährungsplan, der hilft Fitnessziele zu erreichen. Der Ernährungsplan wird von der App nach der für jeden Benutzer geeigneten Kalorienmenge berechnet, basierend auf den persönlichen Parametern und bietet Rezepte für Gerichte an, die tagsüber gegessen werden sollen, um die berechnete Kalorienmenge beizubehalten. Mit dem Fortschritt des Nutzers auf dem Weg zu den gewünschten Körperparametern wird der Ernährungsplan regelmäßig angepasst. Darüber hinaus bietet die Anwendung der App durch künstliche Intelligenz einem Benutzer diejenigen Rezepte an, die nicht nur für Fitnessziele geeignet sind, sondern auch dem Geschmack des Benutzers entsprechen. Foodiary spart seinen Nutzern Zeit bei der Lebensmittel- und Kochplanung und hilft, die Fitnessziele besser zu erreichen, als dies mit einem persönlichen Ernährungsmentor möglich wäre.

Mit vielfältigen und innovativen Angeboten von Health& Fitness Startups bekommt man nicht nur hilfreiche Mittel auf dem Weg zu dem gesunden Lifestyle, aber auch die Motivation und viel mehr als herkömmliche Kenntnisse über eigene Gesundheit. Die Ideen von Health& Fitness Startups sind auch vielfältig und schließen verschieden Aspekte der Fitness ein, und helfen damit jedem Konsument seine Art und Weise finden. Man kann sagen, dass die Startups den wichtigen Zielen der gegenwärtigen Gesellschaft: die Lebensqualität zu erhöhen und die Lebensdauer zu verlängern dienen und deswegen deutliche Aufmerksamkeit und Schätzung verdienen.

 

 

[1] O25-1 Pesticide use and thyroid cancer incidence among spouses of pesticide applicators in the agricultural health study | Occupational & Environmental Medicine (bmj.com)

[2] Review finds organic food consumption has measurable benefits on human health | The Organic Center (organic-center.org)

[3] Organic store customers by eating habits Germany 2021 | Statista, Survey “The World of Organic Agriculture 2022” by FiBL; released in February 2022

[4] Our products | yamo

[5] HPP – High Pressure Processing Solutions | FoodTech – JBT (jbtc.com)

[6] https://nuriforbabies.de/pages/unsere-mission

[7] Mindfuel. Thoughtfully created. (bemindfuel.com)

[8] Nutrition – AIF (africaimprovedfoods.com)

[9] bergtau

[10] Reizdarmsyndrom | Gesundheitsinformation.de

[11] Fermentable oligosaccharides, disaccharides, monosaccharides and polyols

[12] Perfood – Perfood

[13] Das Polycystische Ovarialsyndrom

[14] https://isaac-nutrition.de

[15] Edible insects: Future prospects for food and feed security

[16] Foodiary.app: Dein persönlicher Ernährungsplan mit Rezepten

 

 

Verwandte Artikel:

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 1: Das deutsche FoodTech-Ökosystem (27.09.2021)

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 2: Next Generation Nutrition (05.10.2021)

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 3: AgTech & Vertical Farming (26.10.2021)

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 4: Food Delivery (30.03.2022)

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 5: Sustainability as Core (02.06.2022)

Startups, die durch den Magen gehen – Teil 5: Sustainability as Core

Im ersten Teil unserer Artikel-Reihe haben wir einen Überblick über das deutsche FoodTech-Ökosystem gegeben und die sieben größten Industrietrends vorgestellt (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 1: Das deutsche FoodTech-Ökosystem). Teil 2, 3 und 4 wagten einen Deep Dive in die Trend-Segmente Next Generation Nutrition (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 2: Next Generation Nutrition), AgTech & Vertical Farming (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 3: AgTech & Vertical Farming) und Food Delivery (Startups, die durch den Magen gehen – Teil 4: Food Delivery). Teil 5 widmet sich einem Trend-Segment mit Zukunftsmission: Sustainability as Core.

Die Gütesiegel „Bio“, „Fairtrade“ und „regional“ sind deutschen Konsumenten heutzutage besonders wichtig – Das ergab die Food-Trend-Studie 2021[1] des Hamburger Marktforschers Quantilope. Das Engagement einer Marke in Sachen Nachhaltigkeit sei der Studie zufolge sogar für 54 % der Verbraucher in Deutschland relevant. Kein Wunder also, dass immer mehr Startups mit Key Words rund ums Thema Nachhaltigkeit für sich werben. Plastikfreie Verpackungen, vegane Lebensmittel, der Verzicht von schädlichen Inhaltsstoffen, Antibiotika und Pestiziden, Umweltbewusstsein: Lebensmittel sollen nicht nur schmecken, sondern auch die Welt retten. In erster Linie, um für Kunden und Investoren sexy zu sein – oder?

Nachhaltigkeit: Mehr als ein Nebenprodukt!

Nachhaltigkeit spielt in allen Bereichen der Lebensmittelindustrie eine Rolle. Insbesondere wenn es um Zusatzstoffe, Verpackungen, faire Arbeitsbedingungen oder den regionalen Anbau geht, finden viele Lebensmittelhersteller Anknüpfungspunkte für nachhaltigere Methoden. Startups, die sich „Sustainability as Core” auf die Fahnen geschrieben haben, wollen jedoch einen Schritt über diese „allgemeine Nachhaltigkeit“ hinausgehen und ihr Geschäftsmodell ganz konkret auf nachhaltige Lebensmittel ausrichten. Was das bedeutet, erklärt Christian Fenner im Interview mit EY. Vor fünf Jahren haben er und seine beiden Mitgründer das Leipziger Startup the nu company ins Leben gerufen. Obwohl das Hauptprodukt des Unternehmens ein veganer Schokoriegel in einer plastikfreien, heimkompostierbaren Verpackung ist, sehen sich die drei aber nicht in erster Linie als Schokoladenhersteller: „Wir sehen unsere Schokolade als Hebel für Veränderungen. Als eine Art trojanisches Pferd: Die Menschen kaufen den Riegel, weil sie Lust auf etwas Süßes haben, aber danach lesen sie die Verpackung, stoßen auf unsere Kampagnen und stellen fest, dass sie gerade einen Beitrag zum Umweltschutz geleistet haben. Das gibt ihnen ein gutes Gefühl und weckt den Wunsch, auch in anderen Lebensbereichen mehr Nachhaltigkeit anzustreben.“ Nachhaltigkeit ist für Food Startups des Segments Sustainability as Core also nicht nur ein Nebenprodukt, das verkaufsfördernd wirken soll, sondern der Kern-Purpose.

Der Markt und seine Player

Neben der nu company haben auch andere Startups die Hintertür zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag in einem süßen Produkt gesehen: das Münchener Startup Mylkchocy verkauft vegane Schokolade, das dänische Startup True Gum setzt auf veganen, plastikfreien Kaugummi, das Berliner Startup Zveetz Sugar Reduction verführt mit zuckerfreien, pflanzlichen Desserts und die Snackhelden aus Duisburg wollen gesündere und umweltfreundlichere Snacks in unsere Küchenschränke zaubern.

Im Segment Sustainability as Core sind zudem auch Pflanzenmilchprodukte stark vertreten. Die Berliner Gründer von Blue Farm, das Freisinger Startup Pläin oder Yofix aus Israel identifizieren sich als nachhaltige Produzenten von Bio-Pflanzenmilch. Teilweise ergeben sich in diesem Food Segment Überschneidungen zum Segment “Next Generation Nutrition”.[2] Im Rahmen unserer Analyse zum deutschen FoodTech-Ökosystem[3] haben wir die in diesem Artikel erwähnten Startups jedoch aufgrund bestimmter Kriterien dem Segment “Sustainability as Core” zugeordnet.

Sustainability as Core umfasst aber nicht nur Lebensmittel an sich, sondern auch Startups, die organische Pestizide herstellen, Themen wie Abfallmanagement oder die Vermeidung von Food Waste. Dazu zählen beispielsweise Softwarelösungen für das Tracking von Mindesthaltbarkeitsdaten, die an eine Verteilung an Bedürftige gekoppelt sind. Oder die Verwertung von Abfällen: Das Startup GreenLab Berlin stellt aus Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie – namentlich aus Schalen von Kakao, die andernfalls in enormen Mengen im Müll landen würden – biologischen Pflanzendünger her. Dabei verfolgt das Startup nicht nur das Ziel, durch das Upcycling der Kakaoschalen wichtige Nährstoffe wieder in den Boden einzubringen, sondern vor allem auch die Begrünung und Biodiversität in Städten zu fördern. GreenLab-Kunden werden darum in allen gärtnerischen Aktivitäten mit Informationen und nachhaltigen Produkten versorgt.

Eine Schnittstelle zwischen den Segmenten “Sustainability as Core” und “Food Delivery Services” bildet das Bochumer Startup Choosy. Unter dem Leitspruch “Dein Essen macht den Unterschied. Für dich und den Planeten” will Choosy die Themen Speiseplan und Wocheneinkauf vereinfachen und dadurch die Integration einer gesunden und nachhaltigen Ernährung in den Alltag unkompliziert machen. Für diesen Zweck haben die Gründer eine App entwickelt, die wöchentliche, auf den Nutzer individuell zugeschnittene Ernährungspläne erstellt und gleichzeitig eine dazu passende Einkaufsliste generiert, die per Klick wahlweise sogar zu einer Online-Bestellung der Lebensmittel führt.

Kunden und ihre Bedürfnisse

Um das Marktpotential besser einschätzen zu können, sollten Konsumenten zunächst in zwei Kategorien eingeteilt werden: Omnivore Esser und Alternativesser. Erstere sind diejenigen, die grundsätzlich alles essen, während Alternativesser beispielsweise Veganer, Vegetarier oder Pescetarier meint. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Kaufgründe für ein bestimmtes Lebensmittel in beiden Kategorien stark voneinander abweichen. So zeigen die Ergebnisse der Food-Trend-Studie 2021, dass 72 % der omnivoren Esser primär nach Geschmack entscheiden, während dieser nur für 34 % der Alternativesser relevant ist. Beim Thema Tierwohl ist das umgekehrt: Dieses steht für 64 % der Alternativesser im Fokus der Kaufentscheidung, aber nur für 8 % der omnivoren Esser.[4] Christian Fenner kann die Umfrageergebnisse aus eigener Erfahrung bestätigen: „Unsere ersten Kunden waren diejenigen, die uns gezielt in Biomärkten gesucht und gefunden haben. Das sind Menschen, denen Umweltbewusstsein und eine nachhaltige Ernährung grundsätzlich wichtig sind und die entsprechend nach Produkten, die diesem Bedürfnis gerecht werden, Ausschau halten.“ Seit es den nu-Riegel aber auch in herkömmlichen Supermärkten gibt, sei das anders: „Jetzt werden Kunden durch Neugier, beispielsweise aufgrund der bunten Verpackung, zum Erstkauf angeregt. Aber ein Wiederkauf erfolgt nur dann, wenn der Preis und vor allem der Geschmack stimmt.“ Überzeugungskäufer, so genannte „urbane Ökos“, machen nur einen Bruchteil der Konsumenten aus. Denn: Nur 3,7 % der Deutschen ernähren sich laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. vegetarisch oder vegan. 75,1 % der Deutschen bezeichnen sich dagegen sogar als „unbekümmerte Fleischesser“, weil ihnen die Herkunft des Essens oder nachhaltige Aspekte vergleichsweise egal sind.[5] „Nachhaltige Marken werden sich am Markt nicht durchsetzen können, wenn sie im Vergleich zu herkömmlichen Produkten geschmacklich beim Kunden nicht mithalten können“, schätzt Christian Fenner ein. Bereits am Markt etablierte Marken haben zudem den Vorteil, die Käufer bereits überzeugt zu haben. Da 48 %[6] der omnivoren Esser Gewohnheiten als Kaufkriterium ansetzen, kommt das Ausprobieren neuer Produkte entsprechend nur für die Hälfte der Deutschen in Frage. Berücksichtigt werden sollten auch aktuelle Preisentwicklungen. Wenn Lebensmittel und Lebenshaltungskosten insgesamt immer teurer werden, könnte das Spar-Bedürfnis der Konsumenten deutlich steigen. Ausgaben für nachhaltige, aber oftmals teurere Produkte würden in diesem Zusammenhang wahrscheinlich reduziert werden, wenn der Kauf nicht aus einer inneren Überzeugung heraus erfolgt.

Investoren setzen auf Nachhaltigkeit

Obwohl Nachhaltigkeit für den „Otto-Normal-Verbraucher“ (noch) nicht das entscheidende Kaufkriterium ist, ist Nachhaltigkeit, wenn es um das Finden von passenden Investoren geht, kein Hindernis. Im Gegenteil: Viele Investoren gestalten ihre Portfolios gezielt mit nachhaltigen Themen. Auf Investitionen in nachhaltige Ernährung hat sich beispielsweise die 2016 in Berlin gegründete Risikokapital-Gesellschaft Atlantic Food Labs spezialisiert. Deren selbst ernanntes Ziel ist es, bis 2050 zehn Milliarden Menschen nachhaltig und gesund zu ernähren.

„Den Investoren ist unser Engagement für Nachhaltigkeit sehr wichtig. Teilweise bestehen vertragliche Vereinbarungen darüber, dass wir unsere Ziele auch künftig beibehalten sollen, um unsere Integrität zu beweisen“, verrät Christian Fenner in Bezug auf die Investoren der nu company. Wachstum und das Erreichen entsprechender Kennzahlen sei aber auch für nachhaltige Investoren wesentlich. Denn: Nicht selten ist der Impact eines Startups an seine Umsätze gekoppelt, beispielsweise weil ein bestimmter Umsatzanteil für nachhaltige Projekte eingesetzt wird.

Ausblick

Insgesamt ist das Thema Nachhaltigkeit in den Köpfen der Gesellschaft angekommen. Das zeigen beispielsweise auch Initiativen wie Fridays for Future. Ein “Selbstläufer” bzw. Garant für wirtschaftlichen Erfolg ist Sustainability damit aber noch lange nicht.

Abhängig von den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, könnte sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit zwar einerseits weiter verstärken, weil die Problem-Awareness durch fortgeführte öffentliche Aufklärung weiter gesteigert wird. Andererseits könnte sich die Bereitschaft der Konsumenten, Geld für teurere nachhaltige Produkte auszugeben, verringern, wenn die Lebenshaltungskosten insgesamt unverhältnismäßig steigen. Tendenziell könnte sich zudem der Anteil der Konsumenten, für die Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel relevant ist, reduzieren: Nach den Erkenntnissen der Food-Trend-Studie 2021 legen insbesondere Millennials (also Menschen, die zwischen den frühen 1980er und den späten 1990er Jahren geboren worden sind), Wert auf Nachhaltigkeit im Kochtopf (63 %). Generation X (Geburtsjahr zwischen 1960 und 1980) folgt auf Platz 2 (54 %), während sich die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) und die Boomers (Geburtsjahr zwischen 1940 bis 1960) den dritten Platz teilen (jeweils 46 %). Die stark abnehmende Tendenz zwischen Millennials und der Generation Z könnte ein Hinweis darauf sein, dass künftige Generationen, die von der Generation Z großgezogen werden, ebenso weniger Wert auf Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel legen, wenn die Problem Awareness nicht Gegenläufiges bewirkt.

 

 

[1] Lebensmittelstudie: Food Trends 2021 (quantilope.com)

[2] EY Startup – Startups, die durch den Magen gehen – Teil 2: Next Generation Nutrition

[3] EY Startup – Startups, die durch den Magen gehen – Teil 1: Das deutsche FoodTech-Ökosystem

[4] Lebensmittelstudie: Food Trends 2021 (quantilope.com)

[5] Flexitarier — die flexiblen Vegetarier – DGE

[6] Lebensmittelstudie: Food Trends 2021 (quantilope.com)

 

 

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Besteuerung von Kryptowährungen: Das Bundesfinanzministerium stellt die Ansichten der Finanzverwaltung in einem Leitfaden vor

 

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat mit dem Datum 10. Mai 2022 sein lang erwartetes Schreiben zu den Einzelfragen der ertragsteuerrechtlichen Behandlung von virtuellen Währungen und von sonstigen Token veröffentlicht. Mit dem Schreiben äußert sich das BMF zum ersten Mal umfassend zu den verschiedenen Krypto-Sachverhalten, die zunächst technisch erläutert und danach aus der Finanzverwaltungssicht ertragsteuerrechtlich eingeordnet werden.

Für die Besteuerung von Kryptowährungen sind insbesondere folgende Auffassungen von BMF von Bedeutung:

  • Das BMF nimmt zur Frage der Abgrenzung zwischen Gewerblichkeit und privater Vermögensverwaltung ausführlich Stellung. So geht das BMF in den Fällen wie z.B. einem „passiven“ Staking (im Rahmen der Beteiligung an einem Staking-Pool) grundsätzlich von der privaten Vermögensverwaltung aus.
  • Die Veräußerung von Kryptowährungen im Rahmen privater Vermögensverwaltung ist -entgegen der ursprünglichen Entwurfsfassung – nur steuerpflichtig, wenn die Veräußerung innerhalb der Jahresfrist nach der Anschaffung stattfindet. Danach verlängert sich die für die Steuerpflicht relevante Jahresfrist nicht, wenn die Kryptowährungen zur Einkünfteerzielung, z.B. durch Lending oder Staking eingesetzt werden. Diese Auffassung des BMF steht im Einklang mit der ganz überwiegenden Literaturmeinung und ist daher sehr begrüßenswert.
  • Allerdings interpretiert das BMF den Anschaffungsbegriff sehr weit. Kryptowährungen, die z.B. im Rahmen von Staking, Lending, aber auch Airdrops oder ICOs, erhalten werden, führen zunächst zu steuerpflichtigen sonstigen Einkünften, deren Veräußerung innerhalb der Jahresfrist zu steuerpflichtigen Veräußerungsgewinnen führt.

Auch wenn es sehr zu begrüßen ist, dass sich die Finanzverwaltung mit dem BMF-Schreiben ausführlich zu der Besteuerung von Kryptowährungen geäußert hat, betreffen die Aussagen des BMF nur die steuerlichen Folgen von direkten Investments in Kryptowährungen. Allerdings können die Investments nicht nur direkt, sondern auch indirekt über verschiedene Formen der „traditionellen“ Finanzinstrumente wie Tracking-Notes, Knock-Out Zertifikate oder ETFs erfolgen. Da die Steuerfolgen, je nach Investmentform sehr unterschiedlich sein können, sollten diese aufgrund ihres erheblichen Einflusses auf die Netto-Rendite in die Investitionsentscheidung unbedingt immer miteinbezogen werden.

Die nachfolgende Tabelle fasst zur Veranschaulichung der Komplexität der Besteuerung die derzeit soweit ersichtlich im Markt vorherrschende Meinung über die Besteuerung von Krypto-Investments aus der Sicht der deutschen Privatanleger zusammen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass für die Fälle von indirekten Investments nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Finanzverwaltung eine andere Meinung vertreten könnte. Die steuerlichen Folgen für die gewerblichen bzw. institutionellen Anleger, sowie die Besteuerung von Mining, Staking oder Lending von Kryptowährungen werden der Übersichtlichkeit halber außen vorgelassen.

 

  Haltedauer bis zu 1 Jahr Haltedauer mehr als 1 Jahr
Direkte Investition in Krypto­währung (gem. BMF-Schreiben vom 10. Mai 2022) Veräußerungs­gewinne sollten dem persönlichen progressiven Einkommen­steuersatz unterliegen Nicht steuer­pflichtig
Anlage durch Derivate [1] Gewinne sollten der pauschalen Abgeltung­steuer unterliegen Gewinne sollten der pauschalen Abgeltung­steuer unterliegen
Anlage durch Tracker Notes, die “Xetra-Gold” Kriterien erfüllen [1] Veräußerungs­gewinne sollten dem persönlichen progressiven Einkommen­steuersatz unterliegen Nicht steuer­pflichtig
Anlagen durch Tracker-Notes, die “Xetra-Gold” Kriterien nicht erfüllen [2] Veräußerungs­gewinne sollten der pauschalen Abgeltungs­teuer unterliegen Ver­äußerungs­gewinne sollten der pauschalen Abgeltung­steuer unterliegen
Investitionen durch Fonds [3] Veräußerungs­gewinne sollten der pauschalen Abgeltung­steuer unterliegen Veräußerungs­gewinne sollten der pauschalen Abgeltung­steuer unterliegen

[1] Derivate wie Futures, Forwards, Swaps, Optionen oder Knock-Out-Zertifikate
[2] Kriterien des Bundesfinanzhofs in seinen Xetra-Gold- und Gold Bullion-Entscheidungen. Xetra-Gold: BFH, Urteile vom 12.5.2015 – VIII R 35/14, VIII R 19/14 und VIII R 4/15; Urteil vom 6.2.2018 – IX R 33/17; Gold Bullion Securities: BFH, Urteil vom 16.6.2020 – VIII R 7/17.
[3] Thesaurierende Fonds, die als Investmentfonds im Sinne des deutschen Investmentsteuergesetzes gelten.

 

Den Ausblick über die weiteren Entwicklungen fasst sehr anschaulich das folgende Zitat der parlamentarischen Staatssekretärin Katja Hessel zusammen: „Selbstverständlich ist die bevorstehende amtliche Veröffentlichung des BMF-Schreibens nicht der Schlusspunkt unserer Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern ein Zwischenergebnis. Die rasche Entwicklung der ‚Kryptowelt‘ sorgt dafür, dass uns die Themen nicht ausgehen. Ein ergänzendes Schreiben zu den Mitwirkungs- und Aufzeichnungspflichten ist bereits in Arbeit.“

 

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Auf dem Weg zur steuerlichen Transparenz in der Krypto-Welt

 

I. Einleitung

Die Krypo-Welt hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Neben der Frage der Besteuerung auf der Ebene der einzelnen Marktteilnehmer, stellt sich insbesondere die Frage der steuerlichen Transparenz, d.h. der vollständigen Erfassung der steuerpflichtigen Erträge und Gewinne durch die jeweils zuständigen nationalen Steuerbehörden. Diese Problematik besteht insbesondere im grenzüberschreitenden Kontext, wo die OECD vor Kurzem ihre Vorschläge eines globalen Informationsaustauschrahmens für Krypto-Vermögenswerte nach dem Vorbild des in der „traditionellen“ Finanzindustrie bereits seit 2014 existierenden Common Reporting Standards veröffentlicht hat.

Dieser Beitrag soll einen Überblick über die jüngsten OECD-Vorschläge vermitteln, sowie eine kurze Diskussion über deren Implikationen bzw. einen Ausblick über die weiteren Entwicklungen hinsichtlich der Steuertransparenz im Bereich der Krypo-Vermögenswerte wagen.

 

II. Zusammenfassender Überblick

Am 22. März 2022 hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein öffentliches Konsultationsdokument mit den Vorschlägen zur Einführung eines Rahmens für die Meldung von Krypto-Vermögenswerten (Crypto-Asset Reporting Framework – CARF), veröffentlicht[1]. Die öffentliche Konsultation lief bis 29. April 2022. Die OECD plant, im Oktober 2022 Vorschläge für neue Regeln zu veröffentlichen.

Das von der OECD vorgeschlagene Regelwerk zur Meldung von Krypto-Vermögenswerten basiert im Wesentlichen auf dem Modell des bereits im 2014 vorgestellten Meldestandards für die grenzüberschreitende Meldung von „traditionellen“ Konten- und Depotwerten durch Finanzinstitute (Common Reporting Standard – CRS). Anstatt jedoch die Meldung von gehaltenen Vermögenswerten zu verlangen, schreibt CARF die Meldung bestimmter Transaktionen vor. Aus dem Konsultationsdokument geht hervor, dass mit dem Abstellen auf Transaktionen sichergestellt werden soll, dass auch die Krypto-Vermögenswerte, die auf „Cold-Wallets“ oder dezentralisierte Anwendungen und damit weg von den meldepflichtigen Intermediären transferiert werden, nicht aus dem Meldesystem verschwinden.

Zur Umsetzung von CARF auf globaler Ebene wird wohl ein neues Multilaterales Abkommen der zuständigen Behörden (Multilateral Competent Authority Agreement, MCAA) erforderlich, das wahrscheinlich zusammen mit den Vorschlägen im Oktober 2022 veröffentlicht werden wird. Die Konsultation selbst enthält keine Angaben zum vorgeschlagenen Umsetzungszeitplan. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der Umsetzung von CRS bzw. anderer Informationsaustauschregelungen wie FATCA ist es durchaus vorstellbar, dass einige Länder („Early Adopters“) die Vorschriften bereits ab dem 1. Januar 2024 umsetzen.

 

III. Wesentliche Eckpunkte der OECD-Vorschläge

1. Meldepflichtige Krypto-Asset-Dienstleister (Reporting Crypto-Asset Service Provider)

Die Sorgfalts- und Meldepflichten gemäß dem Rahmenwerk sollen für „Meldepflichtige Krypto-Asset-Dienstleister“ (Reporting Crypto-Asset Service Providers – CASPs) gelten. Diese umfassen jede natürliche oder juristische Person, die als Unternehmen eine Dienstleistung zur „Durchführung“ einer meldepflichtigen Transaktion für oder im Namen von Kunden erbringt, einschließlich der Bereitstellung einer Handelsplattform.

Softwarelösungen, die es ermöglichen, mit der Blockchain zu interagieren, scheinen nicht in den Anwendungsbereich zu fallen, da in diesem Fall kein Unternehmen die Transaktionen durchführen soll. Eine diesbezügliche Klarstellung seitens der OECD wäre daher willkommen.

 

2. Relevante Krypto-Vermögenswerte (Relevant Crypto-Assets)

Die von den neuen Meldepflichten betroffenen Krypto-Vermögenswerte werden definiert als digitale Darstellungen von Werten, die auf einem kryptografisch gesicherten Distributed Ledger oder ähnlicher Technologie zur Validierung und Sicherung der Transaktionen beruhen.

Diese sehr weite Definition von meldepflichtigen Krypo-Vermögenswerten schließt nicht nur die bekannten „Kryptowährungen“ wie Bitcoin, Ether etc. bzw. die verschiedenen Formen von Stablecoins, sondern auch ausdrücklich bestimmte Non-Fungible Tokens (NFTs) ein.

Von der Definition der meldepflichtigen Krypto-Vermögenswerte werden Utility Tokens (sog. Close Loop Crypto-Assets) ausgenommen, wenn sie nur von einem teilnehmenden Händler, der den Token einlöst, nicht aber vom Token-Inhaber selbst, in Fiat-Währung umgewandelt werden können. Eine solche Ausgestaltung soll ein geringes Steuerhinterziehungsrisiko beinhalten. Ebenfalls ausgenommen sind Zentralbank-Digitalwährungen, die stattdessen unter die Definition eines Konto fallen sollen, das von einem „traditionellen“ Finanzinstitut im Rahmen von CRS gemeldet werden muss. 

 

3. Relevante Krypto-Transaktionen

Die Krypto-Asset-Dienstleister werden verpflichtet, vier Kategorien von relevanten Transaktionen zu melden:

  • Tausch zwischen Krypto-Assets und Fiat-Währung
  • Austausch zwischen einer oder mehreren Formen von Krypto-Assets
  • Meldepflichtige „Retail Payment Transactions“ – dies umfasst die Verwendung von Krypto-Assets als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen und verpflichtet den betroffenen Zahlungsabwickler, den Kunden des Händlers als seinen eigenen Kunden zu behandeln.
  • Übertragungen von Krypto-Vermögenswerten

 

4. Sorgfalts- und Meldepflichten für Krypto-Asset-Dienstleister

Die Vorschriften schaffen eine bereits aus CRS vertraute Landschaft von Sorgfalts- und Meldepflichten für die Krypto-Asset-Dienstleister in Bezug auf die Kundenidentifikation und Meldung von Transaktionen:

  • Einholung von Selbstauskünften über die steuerliche Ansässigkeit und die Steueridentifikationsnummern allen Kunden und/oder den natürlichen Personen, die bestimmte juristische Personen beherrschen.
  • Plausiblitätsprüfung von Selbstauskünften anhand anderer vorliegender Informationen
  • Überwachung auf Änderungen der Umstände.
  • Meldung in einem xml-Format an die inländische Steuerbehörde, die diese mit anderen Steuerbehörden austauscht.

Abweichend von CRS würden die CARF-Selbstauskünfte nach drei Jahren ablaufen und müssten dann überprüft und die Informationen vom Kunden erneut bestätigt werden. Darüber hinaus müssten Konten, für die keine gültige Selbstzertifizierung vorliegt, eingefroren werden (entweder nach Ablauf einer Selbstzertifizierung oder nach einer Änderung der Umstände in Bezug auf die erhaltene Selbstzertifizierung). Ohne eine gültige Selbstzertifizierung wäre es den CASPs nicht gestattet, relevante Transaktionen durchzuführen.

Eine bemerkenswerte Ergänzung der Vorschriften ist die mögliche Einbeziehung von Wallet-Adressen bei der Meldung von Kryptotransfers, was einen wesentlichen Schritt in Richtung einer De-anonymisierung von Blockchains bedeuten würde. Diese Anforderung dürfte daher erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken aufkommen lassen.

 

IV. Implikationen und Ausblick

Mit den OECD Vorschlägen soll ein umfassendes Meldesystem geschaffen werden, das die Meldung der meisten Krypto-Asset-Transaktionen erfassen sollte. Mit dem sehr weit gefassten Anwendungsbereich versucht die OECD dabei der außergewöhnlichen Innovationskraft und der rasanten Weiterentwicklung dieser jungen Industrie Rechnung zu tragen. Insofern überrascht auch nicht, dass die von der OECD erbetenen Kommentare der Industrie auf das veröffentlichte Konsultationspapier vielfach auf die Unschärfe bzw. die sehr weite Fassungen der in CARF verwendeten Definitionen hinweisen.

Die Effektivität von CARF wird letzten Endes jedoch wesentlich davon abhängen, wie viele Länder sich an dem Informationsaustausch beteiligen. So haben z.B. die USA als einer der weltweit größten „Krypto-Player“ mit dem Infrastructure Investments and Jobs Act zwar umfassende nationale Reporting-Pflichten für die Krypto-Börsen und Verwahrer ab 2014 eingeführt. Ob sich die USA jedoch darüber hinaus im Rahmen von CARF auch an einem entsprechenden internationalen Informationsaustauch beteiligen werden ist derzeit nicht abzusehen. Insofern wird auf die, auch in den Eingaben der Industrie an die OECD hervorgehobene, Notwendigkeit von Mechanismen für die Schaffung eines „Level Playing Field“ zwischen teilnehmenden und nicht-teilnehmenden Jurisdiktionen eine besondere Bedeutung zukommen. 

In diesem Zusammenhang ist ferner zu erwähnen, dass – flankierend zu den oben beschriebenen Bemühungen auf der OECD-Ebene – auch die EU-Kommission derzeit an einem unionseigenen Meldesystem für Krypto-Vermögenswerte im Rahmen der 8. Änderung der EU-Amtshilferichtline (DAC 8) arbeitet, die ebenfalls demnächst vorgestellt werden soll. Es ist davon auszugehen, dass die OECD Vorschläge zu CARF mit den Reporting-Pflichten nach DAC 8 abgestimmt sein werden. Die hohe Bedeutung des Gleichlaufs wird auch in den Eingaben aus der Industrie hervorgehoben.

Auch wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen wie oben aufgezeigt derzeit noch im Entstehen sind, ist es doch klar erkennbar, dass die Frage der steuerlichen Transparenz mit großer Geschwindigkeit den Eingang in die Krypto-Welt findet. Die davon betroffenen Marktteilnehmer sollten sich daher intensiv mit dieser Materie auseinandersetzen, deren rechtlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf ihre Geschäftsmodelle analysieren und die für sie relevanten Punkten rechtzeitig in die Diskussion einzubringen.

 

[1] Crypto-Asset Reporting Framework and Amendments to the Common Reporting Standard (Public Consultation Document) (oecd.org). Das Dokument beinhaltet auch Vorschläge zur Änderung bzw. Ergänzung der CRS, auf die in diesem Beitrag nicht weiter eingegangen wird.

Let’s talk about blood, baby: FemTechs verdienen Gehör!

Fast 30 Jahre hat es gedauert, bis die Monatsblutung in deutschen Werbespots als das dargestellt wurde, was sie ist: rot. Bis Ende 2021 nutzten Anbieter von Monatsbinden und Co. stattdessen eine blaue Flüssigkeit, um die Saugkraft ihrer Produkte zu präsentieren. Denn: Der Periode haftet ein Schmuddel-Image an, das von Scham und Ekel geprägt ist.

Dabei braucht das Thema einen festen Platz in der Öffentlichkeit. Statt Menstruationsprodukte totzuschweigen und sie als Nischenprodukte abzustempeln, sollte ihr riesiges Marktpotential erkannt werden. Immerhin ist die Hälfte der Weltbevölkerung für jeweils mehrere Jahrzehnte von der Periode betroffen und somit ein potenzieller Kunde. Mit einer geeigneten Aufklärungsstrategie könnte dieser riesige Markt revolutioniert werden. Ein Win-Win für Startups, Investoren und menstruierende Menschen weltweit!

 

FemTech-Startups brechen das Tabu

Erfreulicherweise bieten immer mehr Startups alternative Menstruationsprodukte an und verknüpfen ihr Angebot mit offensiv-frecher Werbung.

Das Berliner Startup Einhorn, das einst mit veganen und nachhaltigen Kondomen an den Markt ging, generiert inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Menstruationstassen, Bio-Tampons und Bio-Binden. Für diesen Strategiewandel wurde in 2018 unternehmensintern eine Stelle als „Head of Menstruation“ vergeben. Auch Startups wie Ooia, Fayrganic, Gotyu, Modibodi und Kora Mikino wollen Menstruationsartikel völlig neu denken und haben Periodenunterwäsche entwickelt, die neben Komfort für die Anwenderinnen einen Benefit für die Umwelt bietet. Denn: Weltweit werden jährlich circa 45 Milliarden Binden und Tampons benutzt und weggeworfen.

Einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier. 2018 gründeten sie das Startup The Female Company, um Gespräche über Female Health ins 21. Jahrhundert zu bringen. Ihr Sortiment beinhaltet neben einem Abo für Bio-Periodenprodukte per Briefversand u.a. auch Produkte für die Schwangerschaft und Stillzeit, zur Erkennung von Geschlechtskrankheiten oder für die Intimpflege. „Wir wollen die größte FemHealth-Plattform auf dem Markt werden und uns allen großen Themen im Leben einer Frau widmen: von der ersten Periode bis zur Menopause“, verrät Ann-Sophie Claus im Interview mit EY. Die Idee zur Gründung entstand nach einer Indien-Reise. „Dort trauen sich Mädchen nicht einmal, das Wort Periode überhaupt auszusprechen. Sie gehen während der Periode nicht zur Schule und sind vom gesellschaftlichen Leben völlig ausgeschlossen. Dieses Erlebnis ließ uns auch nach der Reise nicht los. Aber zurück Zuhause erkannten wir, dass auch in Deutschland die Scham ums Thema Monatsblutung enorm ist. Und dass sich seit 30 Jahren rein gar nichts Innovatives in dem Bereich getan hat, weil nur ein Hauptplayer den Markt dominierte. Da wussten wir, dass wir das ändern wollen“, erinnert sich Ann-Sophie schmunzelnd.

Abbildung 1 – Let’s talk about blood, ©The Female Company

 

Gleichberechtigung am Arbeitsplatz – oder doch nicht?

Vor allem in der Arbeitswelt wird dem weiblichen Zyklus hierzulande kaum eine Bedeutung beigemessen. Dabei hemmt die Periode mit ihren Begleiterscheinungen, wie krampfhaften Schmerzen, Migräne und Verdauungsbeschwerden, die Produktivität am Arbeitsplatz für etwa 80 % der Frauen.[1] Grund genug, sich als Arbeitgeber intensiver mit der Monatsblutung zu beschäftigen. Im weltweiten Vergleich wird deutlich, dass Menstruationsurlaub keine Utopie ist. In einigen asiatischen Ländern, wie Japan, Südkorea, Taiwan, Indonesien oder China, und im afrikanischen Sambia ist dieser bereits gesetzlich verankert.[2] Andere Länder haben sich zumindest der Diskussion gestellt und Gesetzesentwürfe besprochen, die letztlich jedoch nicht umgesetzt wurden – beispielsweise 2017 in Italien oder 2013 in Russland. In Deutschland gibt es dagegen bislang weder Initiativen noch erwähnenswerte Diskussionen.

Was aus staatlicher Ebene kein Gehör findet, wird teilweise in den Unternehmen selbst angepackt: So führte Nike als einer der ersten globalen Großkonzerne in 2007 den „menstrual leave“ als Sonderurlaub bei Menstruationsbeschwerden ein. Das Kieler Startup Spielköpfe initiiert regelmäßig einen Workshop zum Thema „Der weibliche Zyklus und New Work“, der sich damit beschäftigt, wie der Arbeitsalltag für Frauen während der Monatsblutung produktiv und stressfrei gestaltet werden kann. Auch das Leipziger Startup Vision Period hat die gesellschaftliche Herausforderung „Menstruation und Arbeit“ erkannt und will Unternehmen durch Beratung dazu anregen, einen zyklusgerechten Arbeitsplatz zu kreieren.

Ursprünglich sollte auch The Female Company als B2B-Modell entwickelt werden. Das sei 2018 jedoch noch undenkbar gewesen. Fokus-Gespräche mit relevanten Managementpositionen großer Konzerne verliefen für die Gründerinnen sofort im Sand. Inzwischen hat das Startup, das schließlich als B2C gegründet wurde, den 15. Großkonzern als Kunden gewonnen und erhält stetig neue Anfragen von Unternehmen, die knallrote Tampon-Spender in ihren Mitarbeiterinnen-Toiletten platzieren wollen.

Obwohl New Work ein immer relevanteres Thema wird und zahlreiche Startups sich dem Thema widmen, Arbeitsabläufe für Arbeitgeber und -nehmer im Allgemeinen zu optimieren, gibt es kaum Angebote, die sich dabei auf die Periode am Arbeitsplatz spezialisieren. Eine Chance für Gründer*innen, diese Marktlücke zu schließen!

 

Die rote Revolution braucht schwarze Zahlen!

Laut einer Marktanalyse von Splendid Research aus dem Jahr 2019 nutzen rund 96 % der Frauen Einwegprodukte für ihre Menstruation. 57 % von ihnen gaben an, biologisch abbaubare und wiederverwertbare Produkte zu bevorzugen.[3] Eine Umfrage der britischen „Huffington Post“ hat ergeben, dass Menstruierende in Großbritannien im Laufe ihres Lebens etwa 18.450 Pfund, umgerechnet also mehr als 20.000 Euro, für ihre Periode ausgeben.[4] In Deutschland dürften die Kosten ähnlich ausfallen, da das Nutzungsverhalten und die Preise vergleichbar sind. Diese Ausgaben verdeutlichen das enorme Marktvolumen: Bei aktuell rund 3,9 Milliarden menstruierenden Menschen weltweit ergeben sich rund 2.228,5 Milliarden Euro Ausgaben für Menstruationsprodukte pro Jahr.[5]

Die Möglichkeiten, den Markt durch ein an die Bedürfnisse von menstruierenden Menschen angepasstes Angebot zu durchdringen, wird von Investoren aber noch zu selten erkannt. Nach Aussage von Forbes wurden 2019 in Europa 190 Millionen USD in FemTechs investiert – das entspricht jedoch nur 1,4 % des Kapitals, das in die gesamte Healthcare-Branche investiert wurde.[6] Gewisse Entscheider-Positionen sind nach wie vor mehrheitlich von Menschen besetzt, denen es naturgemäß schwerer fallen könnte, sich in die Zielgruppe hineinzuversetzen. Entsprechend werden Menstruationsprodukte als Nische bewertet, obwohl sie in Anbetracht der riesigen Anwenderzahl keine Nische sind.

Auch The Female Company hatte anfangs Probleme, einen passenden Investor zu finden. „Es war schwierig, Männern das Thema zu erklären. Das fing damit an, dass sie nicht nachvollziehen konnten, warum es Tampons in verschiedenen Größen geben muss – es sei doch viel kostengünstiger, sie nur in einer Größe zu produzieren. Irgendwann haben wir erkannt, dass es keinen Sinn macht, den Investoren erst die Anatomie von Menstruierenden zu erklären“, sagen die Gründerinnen. Stattdessen fanden sie einen Vergleich, mit dem die männlichen Investoren arbeiten konnten: „Wir sagten, dass unser Startup dasselbe mit der Periode vorhat, wie Amorelie mit Erotik. Die Produkte von ihrem Schmuddel-Image befreien und sie salonfähig machen, um viel mehr Menschen damit zu erreichen.“

Dass Investoren sich nur schwer in die Zielgruppe hineinversetzen können, birgt auch das Risiko, dass an deren Bedürfnis vorbei entwickelt wird. Im April 2021 präsentierten zwei männliche Gründer mit „Pinky Gloves“ einen Handschuh, der beim Entfernen von Tampons und Binden getragen und anschließend – durch Umstülpen – als blickdichte Hülle für den entstandenen Abfall dienen sollte. Der Hintergedanke dieser Erfindung war, möglichst wenig Kontakt mit und Sichtbarkeit für das Monatsblut entstehen zu lassen. Ein Produkt also, das die Scham und das Ekelgefühl für die eigene Periode noch verstärkt. Ein männlicher Investor sagte dem Gründer-Duo 30.000 Euro zu. Eine daraufhin entstandene Empörungswelle im Internet sorgte jedoch dafür, dass die pinken Handschuhe blitzschnell wieder vom Markt genommen wurden.

Das Scheitern der Pinky Gloves durch eine öffentliche Diskussion verdeutlicht, dass viele Emotionen im Tabuthema Periode stecken. Menstruierende Menschen beginnen immer mehr damit, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und trauen sich, diese zu kommunizieren. Der Wunsch, die Monatsblutung aus der Scham-Ecke zu holen, wächst. Und mit ihm das Marktpotential für Startups, die sich mutig dieser roten Revolution stellen. Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan soll der FemTech-Markt bis 2025 auf ein Volumen von 50 Milliarden USD anwachsen.[7] Im Jahr 2021 überstiegen die weltweit getätigten VC-Investitionen in FemTechs erstmal die 1-Milliarde-USD-Marke.[8] Investoren sollten diese Entwicklung ernst nehmen.

 

Der rote Faden: Trends und ein Blick in die Zukunft

Nachhaltigkeit dominiert so gut wie jede Branche: nachhaltige Verpackungen, nachhaltige Rohstoffe, weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zu Zero-Waste. Periodenprodukte bilden da keine Ausnahme. Die Nachfrage nach wiederverwendbaren Alternativen für Periodenprodukte, wie beispielsweise Periodenunterwäsche und Menstruationstassen, könnte sich künftig noch weiter verstärken. Neben dem Trend zur Nachhaltigkeit könnte der Markt für Menstruationsprodukte aber auch vom Trend zu Tabu-Freiheit und dem stetig wachsenden Wunsch nach Gleichberechtigung geprägt sein. Das bietet ein großes Wachstumspotential für Fem-Health-Startups.

Auf globaler Ebene geht der Trend zu Tele-Health. Auch wenn europäische Konsumenten diesbezüglich als zaghaft gelten, könnte sich die Nachfrage nach ärztlicher Beratung „aus der Ferne“ auch hierzulande verstärken. Psychotherapie und Hebammen-Beratung gibt es in Deutschland bereits in der Online-Version – warum also perspektivisch betrachtet nicht auch Beratung bei Menstruationsbeschwerden oder ganz allgemein eine Form von Tele-Gynäkologie?

 

 

 

[1] Gemäß einer niederländischen Studie aus 2019, in der 32.748 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren befragt worden sind (Productivity loss due to menstruation-related symptoms: a nationwide cross-sectional survey among 32 748 women | BMJ Open)

[2] Japan gilt hier als Vorreiter: Bereits 1947 trat das Gesetz zum Menstruationsurlaub in Kraft.

[3] Studie Menstrual Hygiene Monitor 2019 (splendid-research.com)

[4] Für die Studie wurden 2.134 Frauen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren befragt.

[5] 20.000 Euro durchschnittlich im Verlauf eines Lebens – bei durchschnittlich 35 Jahren Periode pro Person ergeben sich 571 Euro im Jahr. Für 3,9 Milliarden biologisch als Frau geborene Menschen ergeben sich 2.228,5 Milliarden Euro.

[6] Femtech: Eine Branche mit Potenzial – vor allem für Investoren – Forbes

[7] Femtech | Time for a Digital Revolution in the Women’s Health Market (frost.com)

[8] FEMTECH-FEVER – Forbes